
Wir sind müde, gereizt, erschöpft, haben Kopfschmerzen oder reagieren auf Kleinigkeiten plötzlich heftiger als sonst. Unser Körper macht uns darauf aufmerksam, dass etwas aus dem Gleichgewicht gerät.
Doch wie oft fragen wir uns wirklich, was uns so sehr beansprucht?
Was läuft eigentlich den ganzen Tag in meinem Kopf ab?
Wir bewegen uns täglich in unterschiedlichen Rollen. Als Mutter oder Vater, in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf und in unserem sozialen Umfeld. Wir denken, planen, sorgen uns, übernehmen gedanklich Verantwortung, beschäftigen uns mit den Erwartungen anderer und stellen gleichzeitig unzählige Anforderungen an uns selbst.
Vieles davon läuft längst automatisch ab. Wir hören unseren eigenen Gedanken selten bewusst zu, während sie uns ständig beschäftigen.
Und genau hier beginnt das Wahrnehmen. Ich fange an, meinen Gedanken zuzuhören und mich zu fragen, was mich eigentlich den ganzen Tag beschäftigt. Welche Erwartungen stelle ich an mich selbst? Wie viel Verantwortung trage ich bereits in meinen Gedanken mit mir herum, ohne es zu bemerken?
Wenn ich beginne, das wahrzunehmen, kann ich besser verstehen, weshalb ich mich überfordert fühle und wo ich Ordnung hineinbringen kann. Welche Verantwortung gehört tatsächlich zu mir? Was hat Priorität? Was kann warten? Und wo trage ich etwas mit, das bei jemand anderem liegt?
Manche Muster haben sich über Jahre entwickelt, andere entstehen mitten im heutigen Alltag. Ich kann wahrnehmen, wo etwas begonnen hat, weshalb ich so handle und welche Möglichkeiten ich heute habe, etwas zu verändern.
Die eigene Verantwortung erkennen
Die eigene Verantwortung bewusst zu übernehmen bedeutet auch, andere Verantwortlichkeiten dort zu lassen, wo sie hingehören.
Ein Beispiel aus dem Familienalltag: Vielleicht erledige ich etwas für mein Kind, weil es schneller geht oder weil ich selbst bereits erschöpft bin. Doch damit nehme ich ihm möglicherweise auch die Gelegenheit, selbst Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen. Wenn ich das erkenne, kann ich beginnen, ihm mehr zuzutrauen und Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.
Und dann sind da noch die unzähligen kleinen Gedanken, die ständig im Hintergrund mitlaufen. Die Zahnpasta geht aus. Ich muss noch daran denken, neue zu kaufen. Habe ich es aufgeschrieben? Was fehlt sonst noch? Und schon beschäftigt mich das Nächste.
Aber muss ich mich wirklich um jeden noch so kleinen Gedanken sofort kümmern?
Ich kann prüfen, was gerade wichtig und dringend ist, was meine Aufmerksamkeit braucht und was warten darf.
So entsteht Schritt für Schritt mehr Ordnung in meinem Denken und Handeln und ebenso im Miteinander. Es entsteht mehr Raum für mich selbst und für mein Gegenüber.
Der Prozess beginnt mit Wahrnehmung, wird durch das Erkennen von Zusammenhängen bewusster und ermöglicht durch neue Entscheidungen und Erfahrungen Veränderung. So können mehr Orientierung, Gleichgewicht und Lebendigkeit im eigenen Leben entstehen.
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