Was mich heute in meiner Arbeit mit Menschen begleitet, habe ich über viele Jahre selbst erfahren. Das Leben mit meiner Familie, der Abschied von meinem Mann und die intensive Arbeit an mir selbst haben meine Wahrnehmung verändert. Ich begann zu verstehen, wie meine Erfahrungen und Emotionen mein Handeln prägen und wie ich bewusster damit umgehen kann. Davon erzählt mein Weg.
Zwischen unterschiedlichen Seiten
1968 wurde ich in Luzern geboren und wuchs mit einem älteren Bruder und einer jüngeren Schwester auf. Schon früh übernahm ich immer wieder die Rolle der Vermittlerin, besonders zwischen meinen Geschwistern und unseren Eltern. Ich versuchte, unterschiedliche Seiten zusammenzubringen. Mal gelang mir das besser, mal weniger. Was zwischen Menschen geschieht, beschäftigte mich schon damals: was jemand sagt, wie es beim anderen ankommt und was dabei unausgesprochen bleibt. Ich wollte helfen und Streit schlichten. Mein Blick war ganz bei den anderen; was das mit mir machte und welche Verantwortung tatsächlich zu mir gehörte, konnte ich damals noch kaum wahrnehmen.
Verwurzelt und in Bewegung
Schon früh war ich äusserst bewegungsfreudig. Sport war meine Leidenschaft, besonders das Schwimmen. Ich trainierte viel und mit grosser Freude. Im Wasser fühlte sich mein Körper leicht an. Innere Anspannung löste sich und ich erlebte, was für mich Freiheit und Bewegung bedeuten. Dort konnte ich einfach ich sein. Auch die Natur, besonders der Wald, gab mir diesen Halt.
Ich liebte es, Neues zu entdecken und liess mich für vieles begeistern. Manchmal zog es mich in so viele Richtungen, dass ich kaum wusste, welcher ich folgen wollte. Ich schaute, was andere machten und wie sie es machten. Was mir gefiel, kopierte ich. Damals dachte ich, so sei das Leben. Darunter lag eine Trägheit, eine Leere in mir, die ich damals noch nicht benennen konnte. Doch da war auch die Ahnung, dass es noch mehr zu entdecken gab.
Liebe, Familie und Abschied
Mit 16 begegnete ich einem blauäugigen, blonden Jungen mit Locken – einem intelligenten, abenteuerlichen und kreativen Menschen. Seine lebendige Art zog mich an und verunsicherte mich zugleich. Ich war eher schüchtern, fasste aber Mut und ging auf ihn zu. Unsere gemeinsame Zeit war frech, witzig, voller Wendungen und brachte ihre Herausforderungen mit sich. Aus dieser ersten festen Liebe entstanden sechzehn gemeinsame Jahre. In mir wuchs neues Leben und ich freute mich aufs Mutterwerden. Unser Erstgeborener erblickte 1991 das Licht der Welt. Ich genoss die Zeit mit ihm und erlebte mich im Muttersein mit Freude und Lebendigkeit. 1995 kam unsere Zweitgeborene dazu. Unsere Kinder waren und sind ein Geschenk. Mit ihnen durfte ich wachsen und Neues lernen.
Kinder tun vieles auf ihre ganz eigene Weise, sie überraschen uns als Eltern immer wieder. Mir war wichtig, ihnen zuzuhören und wahrzunehmen, was sie als eigene Menschen mitbrachten. Das gemeinsame Leben forderte mich, und während sie grösser wurden, entwickelte auch ich mich weiter. Als unsere Kinder noch jung waren, erkrankte mein Mann schwer. Eineinhalb Jahre lang begleiteten wir ihn, bis er 2001 an Krebs verstarb. Sein Abschied brachte Traurigkeit mit sich und zugleich die Erleichterung, dass sein Leiden endete. Beides hatte nebeneinander seinen Platz.
Durch seinen Weggang begann für mich eine neue Lebensphase. Vieles, was unseren Alltag getragen hatte, war plötzlich anders. Ich durfte mich neu orientieren und begann, mich selbst auf eine andere Weise kennenzulernen.
Innen und Aussen
Mit 40 begann ich eine Feng-Shui-Ausbildung. Dort beschäftigte ich mich mit der Verbindung zwischen Mensch und Raum und damit, wie Innen und Aussen aufeinander wirken.
Über einen Mitschüler aus meiner Feng-Shui-Ausbildung fand ich zu meinem Lehrer, der mich über viele Jahre begleitete. Aus der regelmässigen Begleitung in seiner Schweizer Praxis und späteren Aufenthalten in Portugal entwickelte sich eine intensive Lebensschule. Das Lernen geschah mitten im Alltag: im Gespräch, bei der Arbeit, in der Meditation und im Miteinander.
Seine Klarheit zeigte mir, wo ich in Rollen und hinter Masken lebte und was mein Handeln bestimmte. Das zu erkennen war anfangs hart und verlangte ehrliche Arbeit an mir selbst. Mein Lehrer begegnete mir neutral und aus der Fülle des Lebens und Bewusstseins. Schritt für Schritt lernte ich, meine Reaktionen zu verstehen und im Alltag anders zu handeln. Diese Erfahrungen prägen mich bis heute. Mit jedem neuen Tag lerne ich weiter.
Mein eigener Punkt
Mein Weg führte mich durch Nähe und Verlust, Anpassung und Eigenverantwortung, Zweifel und Vertrauen. Mit der Zeit lernte ich, genauer wahrzunehmen, was mich bewegt und wie es mein Handeln prägt. Ich erkannte Zusammenhänge, die mir zuvor verborgen geblieben waren, und begann, bewusster mit meinen Kräften umzugehen. Diese Arbeit begleitet mich bis heute. Aus ihr ist MEIN • PUNKT gewachsen.
Heute begleite ich Menschen dabei, ihren eigenen Punkt wahrzunehmen und ihr Erleben besser zu verstehen. Ich höre zu, frage nach und mache auf Zusammenhänge aufmerksam – auf das, was im Gespräch, im Körper und im Alltag sichtbar wird. Dabei bringe ich meine Erfahrung ein und lasse mich auf den Menschen ein, der mir gegenübersitzt. Was jemand daraus erkennt, welchen Schritt er geht und wie er sein Leben gestaltet, liegt in seiner eigenen Verantwortung.
Jede Begegnung bleibt dabei so eigen wie der Mensch selbst.

